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3. Bericht unserer Praktikanten aus Gambia Print E-mail
Written by Hagen Leithäuser   
Friday, 30 December 2011 10:15
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Hallo aus Gambia.
Nun ist „Halbzeit“ und das können wir kaum fassen. Die Zeit ist gradezu verflogen. Das liegt aber sicherlich auch an den vielen Erfahrungen und der Arbeit, die wir hier haben.
Die letzten Wochen waren sehr ereignisreich:
Wir hatten Besuch aus Deutschland, Wahlkampf, Wahlen und einige Ausflüge.
Aber alles der Reihe nach.
Was uns sehr freut, ist, dass das Skillcenter mittlerweile ziemlich viele Resultate vorzuweisen hat. Die Schüler sind sehr konzentriert und machen gute Fortschritte. Röcke, Oberteile und Hosen sind gar kein Problem mehr und nun begibt man sich daran, Vorhänge zu schneidern.
Kommen wir mal zum nächsten großen Ereignis: Besuch aus Deutschland.
Bevor sie ankamen, waren wir ehrlich gesagt etwas aufgeregt. Wie sich rausstellte, hatten wir dazu keinen Grund. Alle drei waren super nett und wir haben uns auf Anhieb verstanden. Und Inge hat unsere kleine WG definitiv bereichert. Und dadurch, dass sie da war, hatten wir neben unseren mittlerweile alltäglichen Aufgaben auch noch einige Abwechslung. Wir haben zuerst alle Lager mit Spenden und Kartons inspiziert und teilweise neu sortiert. Was auch die Schüler gefreut hat, weil viele Spenden nun auch bei den Kindern angekommen sind. Statt im Lager zu verstauben. So hat z.B. jedes neue Schulkind einen Randvoll gepackten Tornister bekommen. Und auch viele der gespendeten Kleider haben nun einen neuen Besitzer. Des Weiteren haben wir die Fußball Trikots sortiert. Insgesamt 3 Komplette Teams in verschiedenen Größen. An dieser Steller schon mal vielen Dank an alle Spender!
Kirsten und mich hat es auch sehr gefreut, endlich mal das Projekt in Sintet zu sehn. Die Fahrt dorthin war zwar alles andere als einfach, aber an die „Straßen“ haben wir uns schon lange gewöhnt. Als wir ankamen wurden wir von einem ca. 20 Mann starken Empfangskomitee vor dem Tor begrüßt und dann nach innen geführt, wo der Bau einer Wasserleitung schon in vollem Gange war. Danach gingen wir ins Dorf und wohnten einer Besprechung mit dem Dorfrat bei, welcher sich gar nicht oft genug bedanken konnte, aber auch Wünsche äußerte. Darauf folgte eine verdammt leckere, aber auch ebenso riesige Portion Hühnchen mit Reis. Statt eines Verdauungsspaziergangs spielten wir eine Runde Fußball mit den Dorfkindern bevor es zurück ging.
Unser nächster Ausflug ging nach James Island (eine kleine Insel, die als Zwischenlager für Sklaven diente), welches nun Kunta Kinthe Island heißt. Morgens um 6 ging es los, da wir die Fähre von Banjul nach Barra nehmen mussten. Wir können euch sagen: Das muss man mal gesehen haben! Kein Millimeter Platz mehr, aber die Menschen strömten weiter in Scharen auf die Fähre.
Von Barra aus ging es per Jeep weiter nach Juffure. Dort hatten wir einen netten Guide, der einiges über die Geschichte der Insel zu erzählen wusste. Und uns auch auf der Überfahrt zur Insel begleitete. Ebenso dabei ein trommelnder und singender „Entertainer“ vom feinsten. Ich werde nie im Leben diese mit Fantasietexten unterlegten und durch unsere Namen bereicherten Coversongs vergessen, die er ,seiner sirenenartigen Stimme ungeachtet, zum Besten gab. Auf der Insel war es beklemmend, kaum vorzustellen, dass Menschen anderen Menschen so etwas antun können.
Doch nun mal zu einem ganz anderen Thema.
Es standen Wahlen an in Gambia. Der dazu gehörige Wahlkampf war spektakulär, insbesondere der Besuch des Präsidenten J.J.Jammeh in Brufut. Es fing so an, dass Soldaten kamen und von unserer Terrasse aus die Umgebung sicherten. Wir haben uns dann vor das Haus
begeben, um hautnah dabei zu sein. Als „The Big Man“ dann mit großem Getöse und mit einer ganzen Meute Partei- Mitglieder näher kam, gab es kein Halten mehr bei den Menschen. Sie drehten regelrecht durch, um einen Blick auf ihn werfen zu können. Allerdings gab es auch was zu ergattern. Der Präsident schmiss mit Keksen und T-Shirts um sich.
Als er uns sah, hielt sein Auto plötzlich und er ließ uns von einem Soldaten mehrere Kartons Kekse und 3T-Shirts bringen. Dann fuhr er endlich weiter, denn in der Zwischenzeit standen alle um sein Auto und von hinten rückten die Massen nach. Teilweise ähnelte die Szenerie der Loveparade in Duisburg. Die Wahl verlief zum Glück weniger chaotisch und seit dem 25.11.2011 steht fest, Mr. Jammeh bleibt weitere 5 Jahre an der Macht.
Am Sonntag wurde es besinnlich, aber auch etwas wehmütig. Wir zündeten die 1. Kerze an und waren in Gedanken bei unseren Freunden und der Familie, die hoffentlich alle einen schönen 1.Advent hatten.
In der Schulte läuft alles gut. Wir sind sehr stolz auf das erste große Projekt der Kreativ- Gruppe, welches die Erwartungen bei weitem übertroffen hat. Die Theatergruppen sind nun auch schon fleißig dabei, ihre Texte zu lernen. Folgende Stücke werden aufgeführt:
-Schneewittchen
- Die Wahrheit über die 3 kleinen Schweine (die Geschichte aus der Sicht des Wolf)
-Und ein von Hagen verfasstes Stück über Freundschaft und den Schulalltag
Nun noch eine sehr traurige Neuigkeit. Im Sambo Haus hat es gebrannt. Dabei ist sein 2jähriges Kind gestorben und so gut wie alles im Haus verbrannt. Wir sind wirklich sehr traurig, da wir nicht nur Mr. Sambo kennen, sondern auch einige Freunde in diesem Compound gefunden haben.
Umso glücklicher sind wir, dass wir durch einige Zufälle 2 Teilnehmer der Rallye Dresden – Dakar – Banjul kennengelernt haben, die so gut wie ihr ganzes Gepäck verschenken wollten. Wir haben sie dann zu den Sambos geführt, denn wir denken mal, sie können es grade am besten gebrauchen. Nachdem wir die Spenden verteilt hatten, haben wir auch noch die anderen Teilnehmer kennengelernt. Die dann auch spontan beschlossen haben, alles hier zu lassen, was sie entbehren konnten.
Dadurch haben wir jetzt einige prall gefüllte Koffer und Plastiktüten mit Kleidung, Handtüchern, Töpfen und allem, was man bei so einer Reise dabei hat.
VIELEN DANK AN DIE GANZE TRUPPE!
Bis Bald Hagen und Kirsten

Last Updated on Friday, 30 December 2011 18:50